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Eine Zugreis’, die macht greis, eine Zugfahrt die ist hart.

booty Eine Zugreis, die macht greis, eine Zugfahrt die ist hart.

Man mag die Bahn ja irgendwie, wenn man sich zurück lehnen kann, von Mitreisenden nicht belästigt wird, sein mobiles Endgerät aufklappen, schreiben, Bilder retuschieren und seine Lieblingsmusik hören kann.
Dieses Gefühl lässt schlagartig nach, wenn man stundenlang an überfüllten Bahnhöfen wartet, das digitale Anzeigesystem zuerst 30, in fünferschritten bis 60 Minuten Verspätung des gewünschten Zuges anzeigt, daraufhin aber nur “über 60 Minuten Verspätung”. Über 60 Minuten, sehr aufschlussreich. Um den tatsächlichen, vorraussichtlichen Abreisezeitpunkt zu erfahren, muss man zum Servicepoint oder DB-Reisezentrum, sofern vorhanden. Dort stellt man sich an, kann keine Nummer ziehen und sich für die Wartezeit mit seiner gerade erworbenen Lektüre in eine warme, rote Ledercouch setzen, denn diese befindet sich eine Etage über einem und ist den Reisenden erster Klasse vorbehalten.
Der schwitzende, aber doch freundliche Bahn-Mensch erzählt einem dann, dass es sich um 100 Minuten Verspätung handelt und zuckt ohnmächtig mit den Schultern, wenn man ihm erklärt, dass es super wäre, wenn man das auch an den Tafeln anzeigen lassen könnte, anstatt 60+, damit man nicht Gefahr läuft seinen Zug dann obendrein noch zu verpassen.
Allerdings passieren auch unterhaltsame Dinge auf großen Bahnhöfen, wie in dem Drogeriemarkt in dem man kurz einen Kodak ISO 400 Schwarzweißfilm in der Hand hatte, ihn aber doch nicht kauft und darüber froh ist, wenn man sich an dem Mann vorbeischiebt, der gerade sein Duschgel mit einem 200 Euro Schein bezahlt hat und darauf von der Kassiererin über die Sprechanlage nach der Schichtleitung verlangt wird.
Die Zugfahrer und Schaffner stehen mit den bibbernden Reisenden an dem Wägelchen an dem die Bahn Kaffee 4freeToGo anbietet um die Gemüter zu besänftigen und erzählen, dass sie ja vom 15 Jahre Fahrkarten stempeln einen weg haben und sich somit auch nicht mehr aufregen.
Sein Kollege erzählt er habe gerade nach 10 Stunden Schicht gefrühstückt, worauf ein Zeigefinger und ein “Sieht man” auf und an ihn gerichtet werden. Die Flecken auf seiner Jacke wären ein Geschenk von seinem Sohn, dessen Frühstück, gibt er zurück.
Amüsiert kommentiert man dies mit: “Also das hätte ich auf den ersten Blick jetzt nicht als Erbrochenes identifiziert”, nimmt seinen Kaffee und den dazu geschenkten DB-Klickthermo und geht wieder umherschlendern.
Bahnhofskioske sind toll, da gibts Lieblingskippen, Lieblingszeitschriften und da ich die so toll finde, habe ich das auch gleich mal dem freundlichen Kassierer erzählt.
Dieser entgegnet scherzend: Wir? Ich bin doch kein käufliches Geschöpf, die stehen ein paar Straßen weiter. Schön, dass doch noch Jemand zu Späßen aufgelegt ist an diesem Tag.

3 comments already

3 Responses to “Eine Zugreis’, die macht greis, eine Zugfahrt die ist hart.”

  1. […] This post was mentioned on Twitter by Jonathan Hethey, Jonathan Hethey. Jonathan Hethey said: Was für eine lustige Zugreise: http://bit.ly/h5MZqA […]

  2. Halefa says:

    Ich hörte eine Durchsage “Zug XY ist 100 Minuten verspätet” und war froh, dass es mein Zug war, der gerade pünktlich am Gleis einfuhr. Bis auf den gecancelten Zug gabs bei mir keinerlei Probleme.

    Hab einen Nachteil haben die deutschen Züge: Wo sind die Steckdosen????

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